Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen

Pressemitteilung

Ortsbegehung und Kundgebung: Bündnis „Rettet die Berge“ fordert die Wiederherstellung von Natur und Alpenschutz

Oberstdorf, 16. Juni 2026 – Mit einer Exkursion zur Scheidtobelbahn am Fellhorn und einer anschließenden Kundgebung in Oberstdorf hat das Bündnis „Rettet die Berge“ auf die Folgen des Bayerischen 3. Modernisierungsgesetzes aufmerksam gemacht. Rund 35 Menschen beteiligten sich an der Begehung, etwa 80 Personen kamen anschließend zur Kundgebung am Bahnhofsplatz in Oberstdorf zusammen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Kritik an den angehobenen Schwellenwerten für Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) durch das 3. Modernisierungsgesetz. Diese Gesetzesänderung führt dazu, dass unter anderem die Auswirkungen von Gesamtprojekten auf Natur und Landschaft nicht mehr ausreichend untersucht werden, die Zivilgesellschaft nicht mehr umfassend eingebunden wird und Alternativen zu geplanten Eingriffen unberücksichtigt bleiben. Fachleute zweifeln zudem an der Vereinbarkeit der Regelungen mit europäischem Recht. Wenn alle Eingriffe nach der „Salamitaktik“ einzelne beantragt und genehmigt werden erfolgt eine schrittweise Erweiterung des Skigebiets. Durch die fehlende Gesamtbetrachtung werden die tatsächlichen Auswirkungen auf Natur und Landschaft völlig unterschätzt.

Bei der Exkursion erläuterten Sabine Rösler vom Verein zum Schutz der Bergwelt sowie Irmela Fischer und Thomas Frey vom BUND Naturschutz die ökologisch wertvollen Lebensräume im Scheidtobel, die von Seilbahn- und Pistenausbau betroffen sind. Besonders hervorgehoben wurden seltene Biotope und Vegetationstypen, die nicht kompensierbar sind und die mangelnde Hangstabilität. Nach Gefahrenhinweiskarte des LfU besteht für das gesamte Skigebiet am Fellhorn die Gefahr von tiefgreifenden Hangrutschungen, konkret im Ausbaugebiet sind zusätzlich zwei Georisk-Gebiete ausgewiesen.

„Keiner will die Sanierung der Scheidtobelbahn verhindern“ betont Spitzen-Alpinist und Natura 2000-Botschafter Alexander Huber bei der anschließenden Kundgebung in Oberstdorf. „Es geht darum, dass das, was schützenswert ist, auch geschützt bleibt!“

„Die sensiblen Ökosysteme der Alpen sind bereits von Erderhitzung und hoher Frequentierung bedroht, und geraten nun auch noch durch die bayerische Politik unter Druck“, so Christine Busch (CIPRA).

„Eine gute Naturschutzgesetzgebung würde dieses einmalige Naturerbe für die kommenden Generationen bewahren“ ergänzt Thomas Frey. Sabine Rösler appelliert: „Skigebiete gehören zu den massivsten Eingriffen in den empfindlichen Naturraum Alpen. Gerade hier darf es keine Rückschritte bei den gesetzlichen Umweltstandards geben.“

„Wir wollen die Berge für die Menschen im Allgäu erhalten. Ich fordere Markus Söder auf, den Umweltschutz wieder einzuführen und unsere Heimat zu schützen!“ adressiert Eva Lettenbauer (Bündnis 90/Die Grünen Bayern) ihr Anliegen konkret.

„Das 3. Modernisierungsgesetz entdemokratisiert, indem es die Meinungsvielfalt durch Träger öffentlicher Belange ausschließt. Dabei haben Verbände eine Vielzahl von Projekten nicht blockiert, sondern durch ihre Expertise verbessert“ betont Michael Finger, Kreisrat der ÖDP Oberallgäu

Alexander Huber erklärte, dass notwendige Infrastrukturmaßnahmen in den Bergen möglich bleiben müssten. Gleichzeitig sei es entscheidend, einzigartige Landschaften, Arten und Lebensräume zu erhalten und Eingriffe auf das notwendige Maß zu begrenzen.

Das Bündnis „Rettet die Berge“ fordert die Bayerische Staatsregierung daher auf, den Abbau von Naturschutzstandards zu stoppen und die Schwellenwerte für Umweltverträglichkeitsprüfungen wieder auf das frühere Niveau anzuheben.

Nur so könne sichergestellt werden, dass die einzigartigen Natur- und Erholungsräume der Alpen langfristig erhalten bleiben.

Zurück