Persönlicher Kommentar
Lieber wegwerfen?
„Man muss nur warten können“ – mein Vater liebte diese Weisheit. Ich lerne sie jetzt auch. Als sich in den 1970er Jahren allmählich ökologische Erkenntnisse zu politisieren begannen, ging es nicht nur um die Kritik der Atomkernspaltung, sondern auch um das „rechte Maß“ beim Umgang mit Ressourcen. Eine der ganz frühen programmatischen Ideen der öko-politischen Gruppen war die „Kreislaufwirtschaft“: Was der Erde als Rohstoff entnommen wurde, sollte nicht als Müll deponiert oder verbrannt werden. „Recycling“ wurde ein Schlüsselwort. Vorrangig aber wollten wir eine andere „Produktphilosophie“: Dinge von hoher Qualität, mit langer Nutzungsdauer statt minderwertige Wegwerfartikel!
Eine große Rolle spielte auch die Idee des Reparierens. Der damals (und auch heute noch?) oft gehörte Handwerkerrat „Wegwerfen und was Neues kaufen ist billiger als Reparieren“ galt uns als Nachweis, dass die aktuelle Wirtschaftsweise die Zukunft verachtet: Die Wachstumswirtschaft wollte und will nicht verstehen, dass die Erde und ihre Ressourcen nicht nur wertvoll, sondern auch erschöpflich sind.
Ja, und heute, „nur“ 50 Jahre später? Bundesregierung und Bundestag haben lange gewartet und jetzt, kurz vor Ablauf der Frist, eine EU-Richtlinie doch noch zum deutschen Gesetz gemacht. Es geht vorwiegend um elektrische Geräte. Wir haben jetzt ein Recht auf Reparatur! Ja, das Gesetz verlangt sogar ein Produkt-Design, das die Reparatur nicht verhindern darf, sondern sie ermöglichen muss. Chapeau! Man muss halt warten können…
Aber: Reparieren kostet nach wie vor. Man braucht dazu Menschen mit Fachwissen. Deren Arbeit ist aber ziemlich teuer, weil sie über die lohnbezogenen Beiträge auch noch den Sozialstaat finanziert. Und Mehrwertsteuer fällt auch noch an, wenn der Handwerker aktiv wird - wenigstens die könnte man für Reparaturarbeit streichen.
Man muss halt weiter warten können…
Wichtiger Hinweis:
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