Persönlicher Kommentar
Weg damit?
Dass „Care-Arbeit“ unverzichtbar ist, wissen so ziemlich alle: Nicht nur Familien verlieren ohne Sorge fürs Alltägliche und ohne Zeit füreinander ihre Stabilität; wir alle verlieren als Gesellschaft große Stücke unserer sozialen Kultur, wenn immer mehr Kinder und Jugendliche bindungsschwach aufwachsen, wenn zuhause nicht mehr gekocht und gemeinsam gegessen wird, wenn Projekte aus Zeit- und Kräftemangel nicht mehr gelingen, wenn Feste an kommerzielle Event-Locations „ausgelagert“ und Erlebnisse als „Rundum-sorglos-Paket“ eingekauft werden.
Wer genauer hinschaut wird auch feststellen, dass sich Menschen, die entweder ganz oder in Teilzeit familiäre Care-Arbeit machen, sehr oft zusätzlich in Ehrenämtern engagieren, unbürokratisch Nachbarschaftshilfe leisten und kostenlose Fahrdienste erledigen. Wer hat schon für so etwas Zeit? Genau.
Hauptsächlich geht es bei der Care-Arbeit natürlich nicht um Ehrenämter, sondern um die Versorgung von Kindern, um die Begleitung von Menschen mit Einschränkungen sowie um die häusliche Betreuung und Pflege von alten Angehörigen. All diese Leistungen werden auch außerfamiliär erbracht. Wieviel das kostet, kann man an den Sozialetats ablesen… Familiäre Care-Arbeit hingegen ist konkurrenzlos billig.
Jetzt läuft ein Programm ab, das man nur als Generalangriff auf die familiäre Kultur bezeichnen kann: Zwei Leistungen der Gesellschaft, mit denen bisher wenigstens eine kleine Wertschätzung der familiären Arbeit erfolgte, stehen unter politischem und medialem Dauerbeschuss: Die beitragsfreie Mitversicherung von nicht erwerbstätigen Partnerinnen und Partnern in der gesetzlichen Krankenversicherung und das Ehegattensplitting.
Auf beide Leistungen könnte gerne verzichtet werden, wenn, ja wenn es für familiäre Care-Arbeit endlich einen sozialversicherungspflichtigen Lohn gäbe. So lange diese gesellschaftlich wertvolle Arbeit (siehe oben!) kostenlos erbracht wird, sind die beiden genannten Leistungen als Mindest-Anerkennungen unverzichtbar.
Wichtiger Hinweis:
Blogbeiträge stellen die persönliche Meinung einzelner Parteimitglieder dar. Diese kann in Einzelfällen von der Programmlage der Partei abweichend sein. Auch ist es möglich, dass zu einzelnen Themen und Aspekten in der ÖDP noch keine Programmlage existiert.

