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Schrumpelfreiheit

»Der Glaube, Verbot und Verzicht seien keine legitimen staatlichen Instrumente, zeigt, wie stark sich die Ideale des Neoliberalismus in den Köpfen festgesetzt haben.« 

Das sagt Philipp Lepenies, Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Ich glaube, dass Lepenies mit diesem einfachen Satz das Thema des kommenden Jahrzehnts definiert hat: Werden wir den Begriff der Freiheit von seiner Verschrumpelung zur bloßen Konsum-Freiheit wieder befreien und ihm seine volle Bedeutung zurückgeben können? Wird uns Gedankenfreiheit wieder wichtiger sein als die Freiheit, zwischen 80 verschiedenen Haarshampoos wählen und mit 190 über die Autobahn brettern zu können? 

Die herrschende neoliberalistische, gemeinschaftsfeindliche und materialistische Ideologie möchte den Menschen gerne vorwiegend als Konsumwesen sehen und seine Bedürfnisse daran ausrichten. Die aus Überlebensgründen mittlerweile unvermeidliche Transformation aller Verhältnisse besteht aber darin, wesentliche Teile des gewohnten Konsums aufzugeben oder doch einzuschränken, weil fast jeder Konsumakt unvermeidlich die Lebensgrundlagen angreift. Es ist deshalb nichts weniger angesagt als die Beschränkung auf das Notwendige. Wer eine solche Transformation aber als Angriff auf seine persönliche Freiheit und nicht als Rettungsakt empfindet, wird für eine solche neue Rahmensetzung nicht zu gewinnen sein. Deshalb muss mehr als bisher über den Kerngehalt des Freiheitsbegriffs debattiert werden.  

Die ganze Thematik hat Lepenies in seinem aktuellen Buch „Verbot und Verzicht. Politik aus dem Geiste des Unterlassens“ ausgebreitet. Es würde mich interessieren, wer von den wichtigsten deutschen „Entscheidern“ aus Politik, Wirtschaft und Kultur dieses Buch lesen wird oder doch wenigstens von Mitarbeiterinnen lesen lässt…

Einen Vorgeschmack auf diesen wichtigen Debattenbeitrag vermittelt schon mal ein kurzes Interview auf der Seite des Bayerischen Rundfunks:  

https://www.br.de/kultur/gesellschaft/philipp-lepenies-verbot-und-verzicht-100.html
 

Autor/in:
Bernhard G. Suttner
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