Persönlicher Kommentar
Schlimmer Lifestyle?
Ja, es geht um Fragen des Lebensstils, vielleicht sogar um eine Frage des Überlebens-Stils: Seit Jahren nimmt die Zahl jener Menschen zu, die als Single oder Paare ganz bewusst ihren materiellen Aufwand reduzieren und den Begriff Wohlstand anders definieren als in der Konsumwerbung üblich. Man benötigt vielleicht nur einen sehr kleinen Pkw oder nutzt nur ÖPNV und Fahrrad. Man hat sich für die Reduzierung oder auch für das Ende des teuren Fleischkonsums entschieden. Man sucht im Urlaub Erholung und Erlebnisse ohne Flugreisen, Kreuzfahrten und Dauerparty. Man widmet sich ganz bewusst dem Leben in Partnerschaft und Familie, hat intensive soziale Kontakte, pflegt Nachbarschaften und Vereinstätigkeiten. Man betreut und pflegt vielleicht auch Menschen mit Einschränkungen.
Dieser etwas andere Lebensstil wird möglich, weil man Erwerbsarbeit und Einkommen aus freien Stücken reduziert hat. Die Gewinne sind erheblich: Das Hamsterrad des Alltags läuft langsamer und steht vielleicht sogar zeitweise still. Man nennt so etwas Zeit-Wohlstand. Auch die Tiefe der Erlebnisse mit Menschen, Tieren und der gesamten Mit-Welt nimmt zu. Man nennt es Beziehungs-Wohlstand. Und der ökologische Fußabdruck wird kleiner und leichter. Man nennt es Verantwortung für die Zukunft.
Mit all dem kann der Wirtschaftsflügel der CDU/CSU nichts anfangen. Diesen „Lifestyle“ verleumdet man als Faulheit und Wohlstandsgefahr. Man kennt dort die Vielfalt des guten Lebens nicht. Man kennt nur den Materialismus des Alltags und den Wachstumszwang.
Für mich sind Menschen mit freiwillig reduzierter Erwerbsarbeit beispielgebende Vertreterinnen und Vertreter der Postwachstumsökonomie. Sie leben uns allen vor, dass man nicht verzweifeln muss angesichts der anstehenden Jobverluste durch KI und Robotik. Es kommt „nur“ darauf an, rechtzeitig die Finanzierung des Gemeinwohls zeitgerecht neu zu organisieren: Der Faktor Arbeit kann und darf nicht weiter Lastesel des Sozialsystems sein.
Wichtiger Hinweis:
Blogbeiträge stellen die persönliche Meinung einzelner Parteimitglieder dar. Diese kann in Einzelfällen von der Programmlage der Partei abweichend sein. Auch ist es möglich, dass zu einzelnen Themen und Aspekten in der ÖDP noch keine Programmlage existiert.

