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Lindners gefährliche Gesinnungsethik

Seit Max Webers epochalem Vortrag „Politik als Beruf“ von 1919 unterscheidet man gerne zwischen einer Politik der „Verantwortungsethik“ und einer der „Gesinnungsethik“. Während sich beharrend-bürgerliche Kräfte gerne mit dem ersten Begriff schmücken (großes Vorbild Helmut Schmidt!) wirft man kritischen und veränderungswilligen Kräften gerne vor, sie wären reine Gesinnungsethiker und deshalb für die Praxis nicht recht brauchbar: Gesinnung sei gut fürs Diskutieren und Bücherschreiben, aber schlecht für die Lösung aktuell-realer Probleme. Typisch war der altväterliche Rat eines gewissen Herrn Lindner an die Fridays-for-Future-Jugend: Überlasst die Lösung der Probleme besser den Profis…

Aktuell ist eine Art Rollenwechsel zu beobachten: Die Grünen überschlagen sich in Verantwortungsethik und werfen einen ökologischen Grundsatz nach dem andern (Kohlestopp, Atomausstieg, Transformation) über Bord. Der Pragmatismus des Krisenmanagements hat sie fest im Griff. Die Lindner-Partei hingegen zeigt sich als erschreckendes Muster ideologischer Gesinnungsdogmatik: Höherer Gemeinwohlbeitrag für Top-Einkommen? Ist gegen gelbe Grundsätze! Tempolimit auf der Autobahn? Anschlag auf die Porsche-Freiheit! Maskenpflicht in Innenräumen und Zuhausebleiben bei Infektion – Gesundheitsdiktatur! Was schert den Lindner und seine Gesinnungskumpane die Realität. Ihre Gesinnung ist ihnen heilig – Gemeinwohl interessiert nicht.  

Gute Politik baut keine Hindernisse zwischen Gesinnung und Verantwortung auf. Beide Haltungen haben ihre Berechtigung. Erst wenn Pragmatismus und Gesinnung sich dogmatisch verhärten, wird es gefährlich. Derzeit muss man der Ampel mehr Gesinnungstreue der Grünen und endlich ein wenig Verantwortung der Gelben wünschen. Mit Lindners ideologischer Dogmatik verschärfen sich die Krisen – zu unser aller Schaden. 

Autor/in:
Bernhard G. Suttner
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Wichtiger Hinweis:
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