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Kein Recht auf Krach, Feinstaub und Gestank?

Seit ich mich erinnern kann, beobachte ich einen Trend zum „immer mehr“. Das war und ist die Grundstimmung meiner Generation in den Industrieländern: Mehr Raum, mehr Warenkonsum, mehr Leistung, mehr Freiheit, mehr Genuss. Silvester ist dafür symptomatisch: Pfennigkracher, Knallfrösche, Schweizerkracher, Luftpfeifer und wie die Dinger alle hießen – es waren billige, kleine Produkte mit geringen Pulvermengen in der Pappröhre, die da in meiner Kindheit und Jugend am Jahresende angezündet wurden. Brauchtumsforscher referieren gerne über den Zweck der Übung: Es gilt böse Geister zu vertreiben, an Terminen des Wechsels – mit Krach und Gestank.  

So wie schließlich alles größer, leistungsstärker und massenhaft verfügbar wurde ging es auch mit der Pyrotechnik: Es gab dank Globalisierung auf einmal zu Spottpreisen Produkte, die nahe an die Sachen der Feuerwerk-Profis herankamen – Raketen mit tollen Effekten und Batterien mit 100 Schuss beim Discounter für € 12,98. Begleitet wurde die Entwicklung von hilflosen Aufrufen caritativer Organisationen, doch lieber Brot zu spendieren als Böller zu zünden – vergeblich. Auch die Tierschutzvereine mahnten, den Haustieren die Horrornacht zu ersparen – ebenso ungehört. Nicht zu vergessen die Aufrufe der Umweltverbände, doch bitte die irren Mengen von Feinstaub zu vermeiden – ach ja, die Spaßbremsen vom Dienst!

Und jetzt macht der Virus mit all dem Schluss und das schon zum zweiten Mal!  

Kein Wunder, dass böse Geister sich verbreiten und herumspazieren… Im Vertrauen gesagt, liebe Brauchtumsforscher: Krach und Gestank haben noch nie geholfen. Es wird andere Mittel brauchen - wie wäre es mit lauter Gegenrede, zündenden Ideen für die Lösung unserer bekannten Probleme und einer Explosion des gesellschaftlich-politischen Engagements der Anständigen und Nachdenklichen?  In diesem Sinn: Prosit Neujahr!