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Herr Lindner und die Knappheit

Auf „drei bis fünf Jahre der Knappheit“ möchte uns Finanzminister Lindner vorbereiten. Das ist ein typischer und doch verhängnisvoller Irrtum: Das Ziel von Leuten wie Lindner ist die Wiederherstellung der gewohnten Verhältnisse. Krisen wie der aktuelle Krieg Russlands gegen seine Nachbarn oder wie die andauernde ökologische Fundamentalkrise werden nach wie vor als „vorübergehende Herausforderungen“ interpretiert, besser gesagt: Sie werden systematisch verharmlost. 

Lieber Herr Lindner: Es geht nicht um ein paar Jahre. Die ganze Zukunft wird eine einzige Verknappung sein. Das Wachstumssystem, der Raubbau, Extraktion und Expansion – kurz die Plünderung des Planeten ist nicht zukunftsfähig und deshalb müssen wir an einer Zukunft bauen, die Knappheit nicht als vorübergehendes Problem, sondern als neue Normalität versteht. Das muss kein Horrorszenario sein, weil sich diese Knappheit „nur“ auf materielle Güter bezieht. Eine Zukunft der materiellen Knappheit bietet viele Chancen für einen besseren Lebensstil mit intensiveren Erfahrungen und tieferen Begegnungen bei reduziertem Konsum und viel mehr Zeit. 

Voraussetzung für eine positive „Zukunft der materiellen Knappheit“ ist aber, dass wir jetzt das Thema der sozialen Gerechtigkeit, des materiellen Ausgleichs und der besseren Versorgung von benachteiligten Menschen im eigenen Land und in der globalen Gesellschaft endlich anpacken. Die unter den Vorzeichen der nötigen ökologischen Stabilisierung unvermeidliche materielle Knappheit darf nicht das Elend verstärken. Knappheit muss zuvörderst das Leben der Menschen im Hyper-Konsum vom Überfluss-Plunder entschlacken und mit Sinn anreichern.  

Autor/in:
Bernhard G. Suttner
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Wichtiger Hinweis:
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