Die Phase der Etablierung

Am 28. März 1982, also unmittelbar nach ihrer Gründung und trotz gravierender Mängel in der inneren Organisation, beschloss die ÖDP Bayern ihre Teilnahme an der bayerischen Landtagswahl im Herbst desselben Jahres. Die ÖDP schaffte es dabei innerhalb kürzester Zeit, die organisatorischen und strukturellen Voraussetzungen für eine Wahlteilnahme aufzubauen und in allen Regierungsbezirken sowie 50 Stimmkreisen anzutreten. Es gelang der ÖDP – hier eher im direkten Kampf gegen die ebenfalls erstmals angetretenen Grünen – jedoch nicht, nennenswerte Erfolge zu erzielen. Selbst in ihrem damaligen Basisbezirk Oberbayern kam die ÖDP nicht über 0,5 % der Stimmen hinaus und unterlag den Grünen, die 4,6 % der Stimmen erringen konnten, im direkten Vergleich deutlich. Einen nennenswerten Einbruch in das Wählersegment der CSU oder gar eine Gefährdung der absoluten Stimmenmehrheit war ebenfalls nicht möglich.

Entscheidend für die ÖDP war jedoch, dass sie sich landesweit organisieren konnte. Dies war letztlich auch die Basis für ihre weitere Arbeit, so dass sie vor allem in die Kommunalpolitik eine stärkere Heimstatt aufbauen konnte. Für das weitgehende Scheitern bei Wahlen wird jedoch bis heute die Gründungsphase verantwortlich gemacht. Hier war die ÖDP in ihrer Frühphase gegenüber den Grünen ins Hintertreffen geraten, da zum Zeitpunkt ihrer Gründung die Grünen bereits eine schlagkräftige Organisation etabliert hatten. Zwar konnte auf die Struktur der GAZ teilweise zurückgegriffen werden, die Wahlvorbereitungen für die bayerische Landtagswahl 1982 verliefen jedoch in so großer Hektik, dass dem Wähler das Programm der neuen Partei nicht vermittelbar war. Den Vorsprung der Grünen konnte die ÖDP nicht mehr aufholen. Hinzu kam, dass die ÖDP auf ein konservatives Wählersegment abzielte, welches - im Gegensatz zum linken Wählerspektrum der Grünen - seine politische Heimat weiterhin bei der CSU und teilweise bei der FDP sah. Sie steht dabei bis heute in der Gesellschaftspolitik der Programmatik der CSU und der christlichen Kirchen nahe.

Das konservative Element zeigt sich insbesondere im Programm der ÖDP. Sowohl in der Frage des Abtreibungsrechts, in den Vorstellungen zum Familienbild und der Sozialpolitik nimmt die ÖDP eher Positionen ein, die bei der CSU verortet werden können und grenzt sich hier deutlich von den Grünen ab. Eine eindeutige Einordnung in das herrschende Parteienspektrum ist jedoch in Bezug auf die ÖDP nur begrenzt möglich, da sie auf anderen Politikfeldern, wie der Außen- und Demokratiepolitik, eher Ansätze verfolgt, die im linken Parteienspektrum wieder zu finden sind. Dabei stimmt sie keineswegs allein in der Umweltpolitik auch mit den Grünen überein.

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