Wirtschaft neu denken – Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ)

Eine ethische Wirtschaft ist möglich, so die ÖDP-Kreisvorsitzende Gabriela Schimmer-Göresz anlässlich eines Informationsabend in Krumbach. Die Gemeinwohl-Ökonomie ist der Aufbruch zu einer ethischen Marktwirtschaft, deren Ziel nicht die Vermehrung von Geld ist, sondern das gute Leben für Alle, so die Erklärung der Graswurzelbewegung, die inzwischen weltweit Unterstützer gewinnt.

Laut Christian Felber, dem Mitbegründer der GWÖ, handelt es sich um ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft, das die Extreme Kapitalismus und Sozialismus hinter sich lässt. Die ÖDP-Kreisvorsitzende geißelte die Verheerungen des Neoliberalismus und sieht sich von Papst Franziskus bestätigt, der in Evangelii Gaudium zuspitzt: "Diese Wirtschaft tötet." "Das auf ständiges Wachstum angelegte System erzeugt Ungleichheit, schürt soziale Konflikte, verstärkt ökologischen Krisen und erhöht die Kriegsgefahr", so Schimmer-Göresz. Mit einem kurzen Schwenk zum sog. Erderschöpfungstag begründet die Referentin die Notwendigkeit, sich auf die GWÖ einzulassen. Im vergangenen Jahr fiel dieser Tag auf den 3. Mai. Ab diesem Zeitpunkt werde die Substanz aufgebraucht und auf Kosten der Kinder, Enkel und kommender Generationen gewirtschaftet. Global betrachtet bräuchte die Weltgemeinschaft 1,7 Erden, um den Bedarf an Ressourcen und Flächen nachhaltig zu decken, national 3 Erden. Höchste Zeit also, dieses zerstörerische System zu wandeln und sich der GWÖ zuzuwenden, so die Kreisvorsitzende. Alles Handeln, egal ob von Unternehmen, Gemeinden, Politik oder Individuum sei unter drei Fragen gestellt: Dient es den Menschen? Dient es der Umwelt? Dient es dem Frieden? Jeder könne Teil der Lösung werden.

Die GWÖ besinnt sich auf die Neuanfänge der deutscher Wirtschaftsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg. So besagt Art. 151 Bay. Verfassung: "Die gesamte wirtschaftliche Betätigung dient dem Gemeinwohl". Im GG der BRD, Art. 14, Abs. 2 heißt es: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."

Die GWÖ will die Werte, die jeder im zwischenmenschlichen Umgang wertschätzt, auch in der Wirtschaft verwirklichen. Die fünf Ziele sind: Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Solidarität und ökologische Verantwortung. Um diese Ziele zu erreichen, will die GWÖ durch Steuervorteile, günstige Kredite, leichteren Zugang zu öffentlichen Aufträgen u.ä. Maßnahmen Unternehmen fördern, die den genannten Zielen gerecht werden. Allein in Deutschland unterstützen bereits mehr als 400 Unternehmen die Bewegung als Mitglieder und 120 haben bereits eine zertifizierte Gemeinwohl-Bilanz erstellt. Tendenz steigend.

Das Co-Referat hielt Richard Snehotta vom gleichnamigen Pflegedienst. Er hat sich bereits Ende 2018 der GWÖ-Regionalgruppe Augsburg und dort mit weiteren Unternehmen einer sog. Peer Group angeschlossen mit dem Ziel, eine Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen. Herzstück ist die sog. "Gemeinwohl-Matrix"*, bei der nicht der erzielte Gewinn vorrangig wichtig sei, sondern die Leistung, die das Unternehmen für die Gemeinschaft erbringt. Die 5 Ziele der GWÖ werden auf den Ebenen der Lieferanten, Geldgeber, Mitarbeiter, Eigentümer, Kunden und dem gesellschaftlichen Umfeld auf den Grad ihrer Umsetzung hin untersucht und Punkte vergeben. Richard Snehotta spricht von einem unglaublich bereichernden Weg, den er jedem nachdenklichen Unternehmer ans Herz legen möchte.

 


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