Amberg: Dr. Meier bricht mit der CSU

Offen liebäugelt Eberhard Meier mit einem Wechsel zur ÖDP ("Das, was die CSU behauptet, das macht sie").

"Die Geschichte schwelt ja schon länger", bestätigt Dr. Eberhard Meier. Und so hatte er die Urkunde für 45-jährige Mitgliedschaft, verliehen im November 2009, "vorsichtshalber nicht persönlich abgeholt". Am Mittwoch nun gab Meier sein Parteibuch zurück, trat aus der CSU aus und kehrte "konsequenterweise" auch der Stadtratsfraktion den Rücken. "Die Zustände in der CSU in München sind für mich unfassbar und unerträglich geworden", sagt er. Für die Amberger Christsozialen gelte Ähnliches.

 

Meier, 64 Jahre und Arzt, listet Entscheidungen der bayerischen CSU auf, bei denen es ihm die Nackenhaare sträubt: die Arbeitszeit der Beamten verlängert und wieder verkürzt, das Büchergeld eingeführt und wieder abgeschafft, das Rauchverbot beschlossen und wieder aufgeweicht. Orientierungslosigkeit überall, klagt er. Ministerpräsident und Parteichef Horst Seehofer kommt bei ihm auch schlecht weg: Der "weiß nicht mehr, was er will, geschweige denn, dass er es vermitteln kann".

 

Das Desaster um die Bayerische Landesbank hat ebenfalls das Fass zum Überlaufen gebracht: "Auch der letzte Kaiser ist dem Größenwahn verfallen, das ist ein deutsches Erbübel", sagt Meier dazu. Seine Meinung zum Skandal um die Hypo Alpe Adria: "Die Staatsregierung wird zur größten Belastung für soziale Sicherheit und Wohlstand in Bayern."

 

"Einer solchen Partei kann ich nicht länger angehören", unterstreicht der Mediziner. Auch wegen des Beispiels Nichtraucherschutz. Die Aufweichung des Gesetzes sei eine "krasse Fehleinschätzung" der CSU gewesen. Nur um Wähler zu ködern, habe sie so gehandelt. Für Meier verwerflich: "Eine Partei, die über Leichen geht, ist das Schlimmste." Denn pro Jahr gebe es in Bayern 500 Tote durch Passivrauchen.

 

"Maßlos abgestraft"

 

 

In der Amberger CSU, stellt Meier heute fest, sei er immer der Außenseiter gewesen, in der Fraktion oft außen vor geblieben und für seine Ideen mitunter "maßlos abgestraft" worden. Sein Verhältnis zur Stadtratsfraktion, resümiert er, "war nie das beste und ist noch schlechter geworden". Der 64-Jährige ist darüber enttäuscht: "Man muss auch mal einen aushalten können, der bisschen anders gestrickt ist, der in der Welt herumgekommen ist, der die Frankfurter und die Süddeutsche liest."

 

 

"Nur geduldet"

 

 

"Ich war nur geduldet und nicht so geliebt", sagt Meier weiter und kündigt an: "Ich werde als Einzelkämpfer, der ich eigentlich immer war, weiterarbeiten." Er wolle seine Linie im Stadtrat beibehalten und "sachorientiert" agieren. "In bescheidenem Rahmen" möchte er gesundheitliche Themen anstoßen. Und Meier wünscht sich "mehr Transparenz bei vielen Entscheidungen, vor allem, wenn es sich um öffentliche Bauaufträge in Millionenhöhe handelt".

 

Offen liebäugelt Eberhard Meier mit einem Wechsel zur ÖDP ("Das, was die CSU behauptet, das macht sie"). Diese Partei, betont der Abtrünnige, "liegt mir inhaltlich. Das deckt sich mit meinem Naturell".


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