Deckt Corona unsere Scheinwelt auf?

Nie wurde uns so sehr unter die Nase gerieben, dass unsere Art zu leben keine realistische ist. Was meine ich damit?

Wir haben uns eine geldbasierte Welt aufgebaut. Und diese Welt so weit getrieben, dass das Geld nicht einmal wirklich existieren muss, um von uns einen Wert zu erhalten. Einen Wert, der über Gemeinwohl, über Tierwohl, über Ökologie hinausgeht. Geld, Rendite, Gewinne sind wichtiger als Gesundheit, Natur, Gemeinschaft.

Corona verschiebt die Dimensionen. Corona sagt: Was brauchst du wirklich?

Brauchst du den Banker, der dein Geld verwaltet oder brauchst du gerade den Verkäufer, der dich direkt versorgt?

Brauchst du einen Versicherungsberater, der dich gegen eventuelle Notlagen versichert oder brauchst du den Arzt, der dir in einer Notlage wirklich hilft?

Brauchst du den Aktienmakler, der nicht existentes Geld verschiebt, oder wäre vielleicht ein effektiv arbeitender Wissenschaftler, der sich um einen Impfstoff bemüht, nicht wichtiger?

In der heutigen Zeit spürt man sehr genau, was man wirklich braucht - alles andere hat ja bereits schließen müssen. Alles ist auf "Notfall" eingestellt. Viele haben Angst, nicht nur vor dem Virus, auch um ihre wirtschaftliche Existenz, um ihre Finanzen, um ihr Eigentum.

Und bemerken, wie sehr wir abhängig sind von dieser unsichtbaren Macht "Geld".

Aber auch, dass man Geld nicht essen kann und dass Geld dich auch nicht pflegt.

Man muss nicht abkommen von diesem unsichtbaren "Geldgott", es braucht in einer so großen und unübersichtlichen Welt eine Währung, die Dinge vergleichbar macht. Aber vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, darüber nachzudenken, welche Dinge welchen Wert haben und den realen Dingen mehr Wert zuzusprechen.

Was brauchen wir in der Realität? Wir brauchen Nahrungsmittel, wir brauchen eine Familie, wir brauchen ein Gesundheitssystem, wir brauchen Kleidung und ein Dach über dem Kopf.

In Berufen ausgedrückt: Wir brauchen Verkäufer mit Waren, wir brauchen Logistiker, die die Waren verteilen, wir brauchen Landwirte, die uns diese Ware - z.B. Nahrung - zur Verfügung stellen.

Wir brauchen Ärzte, die sich unserer Gesundheit annehmen, wir brauchen Pfleger, die gut für uns sorgen und auf uns achten, wir brauchen Sanitäter, die uns in Notlagen helfen. Wir brauchen Feuerwehrleute, wir brauchen Polizei. Wir brauchen Handwerker, die uns helfen sichere Häuser zu bauen oder Dinge zu reparieren.

Wenn wir die Gehälter dieser Berufe mit anderen Gehältern vergleichen, kann einem schwindelig werden.

Aber vielleicht ist Corona eine Chance zu begreifen, was wirklich wichtig ist und dies nicht nur lobend wertzuschätzen, sondern den Wert der Arbeit widerspiegeln zu lassen mit den Mitteln, die wir selbst geschaffen haben - unserem "Geldgott". So schlimm die Krise ist, kann sie eine Chance sein, Konsequenzen zu ziehen und den wichtigen Dingen mehr Raum zu geben. Das würde ich mir wünschen.

Anmerkung des Autors: Dieser Text soll keinesfalls eine Herabstufung der Berufe in Wirtschaft und Finanzwesen sein, sondern vielmehr eine Aufwertung der meiner Meinung nach wichtigen Berufe. Wer sich in meiner Aufzählung nicht wiederfindet, etwa Lehrer, Erzieher, Hauswirtschafterinnen etc. - nein, ich habe euch nicht vergessen, dieser Text ist plakativ zu sehen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

Alle Berufe sind zugunsten der Leserlichkeit im Neutrum genannt, wobei immer beide Geschlechter angesprochen sind.

© Nicole Czwielong Mitglied im ÖDP KV Coburg-Kronach


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