13.09.2011

Rede von Bernhard Suttner beim Gillamoos 2011

"Nüchtern nachgedacht statt laut gebrüllt"

Vor ein paar Tagen hatte ich mal wieder das ÖDP-Aktiven-Erlebnis schlechthin. Beliebiger Anlass, nach offiziellem Teil small-talk, jemand erkennt mich und ordnet mich richtig ein. Dann kommt´s:
„Ich habe ihre Partei schon mal gewählt, das Programm wäre ja wirklich richtig, auch sympathische Leute - aber die ÖDP hat sich halt nicht durchsetzen können...“

Kategorie: Klima / Umwelt , Bildung, Familien

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Seite 1

Wolfgang Richard Müller schrieb am 21.09.2011 20:58 answer

Dem Kommentarschreiber kann ich nur voll und ganz zustimmen! Leider werden wir wahren und e i n z i g e n bundesweiten Öko-Demokraten von den Medien weitgehend unbeachtet gelassen. Trotz unserer wichtigen wie richtigen Inhalte politischen Denkens und Handelns werden wir heute - ganz im Sinne des falschen Zeitgeistes, wo nur das Quantifizierbare zählt - bei Wahlen unter "Sonstige" abgelegt, wie die Berlin-Wahl wieder mal gezeigt hat. Ich kann nur hoffen (und beten), dass die ÖDP bei der nächsten Landtagswahl in Bayern die Fünf-Prozent-Hürde nimmt. "Verdient" hat dies die ÖDP schon lange. Nur, wann werden die Medien und (noch weitaus mehr) Wähler wach ... ?

Wolfgang Martin Wettlaufer schrieb am 15.09.2011 20:34 answer

HARTE WAHRHEITEN bei nüchternem Nachdenken:

Die hat uns Bernhard Suttner hier erstaunlich kompakt und kompetent vor Augen gestellt - Danke dafür! Noch hatte ich nicht die Zeit, alles durchzulesen. Doch ich finde in der Gillamooser Rede all das aufgegriffen, was ich selber als ganz fatalen Verrat an der Zukunft unserer Kinder und Enkel - gleichfalls an den chancenlosen Verlierern der Globalisierung in ärmeren Ländern der Welt - einschätze: das unhinterfragte Dogma ewigwährenden Wirtschaftswachstums unter sozialer und ökologischer Ausbeutung ganzer Weltgegenden (Beispiel Coltan: Ressourcenraub im Ostkongo, um unsere IT- und Spieleindustrie über Elektronik-Schnickschnack zu befeuern) - bei Inkaufnahme der großen Gefahr eines dereinst womöglich unumkehrbaren Klimadesasters!

Deshalb sind wir Ökodemokraten so wichtig und scheints unersetzlich für die deutsche Politik: weil keine andere Partei bereit ist, an die Wurzeln dieser Misere zu greifen. Die ÖDP täte gut daran, sich demgemäß als ganz wichtiges politisches KORREKTIV zu den "Grünen" darzustellen! Exzellente Argumentation dazu fänden Interessierte nun in Herrn Suttners Gillamoos-Rede, wie auch in dem Grundsatzpapier "Mut zum Wandel". Dann sollten wir nie mehr mit der Achsel zucken, wenn uns jemand bescheidet (wie Herrn Suttner): ja, schon richtig - aber die ÖDP hat sich halt nicht durchsetzen können ..

Dem gehört ein Appell ans Gewissen dieser Person gerichtet: können Sie es, in Erkenntnis dieser Mißwirtschaft in der Welt, weiter verantworten, das scheinbar "kleinere Übel" zu wählen? Damit sind die "Grünen" in erster Linie gemeint Doch erwächst der ÖDP nun mit den "Piraten" ein neuer Antipode (siehe Berlinwahl), nachdem die FDP jetzt kläglich eingegangen ist! Über "Lifestyle"-Aspekte wird diese Gruppierung ein großes Stimmenpotential bei den Jungwählern abräumen - über Lebensaspekte also, welche die Ausbeutung von Menschen und Lebensräumen nachgerade noch beschleunigen werden! (Beispiel: das britische Weltjournal New Scientist hat schon anno 2005 herausgestellt, daß ein Fünftel der Weltbevölkerung sich nicht mehr aus eigenen Mitteln ernähren kann: infolge der Urbanisierung werden jahrhundertealte Terrassenfelder zum Anbau von Gemüse, Reis, Tee etc. verelenden, während der Glanz&Glitter urbaner Konsumwelt sich klima- und ressourcenschindend erweist ..

Ökodemokraten müssen sich weiter bekennen zu einem "Weniger ist mehr" (kann mehr sein), welches schon die Parteigründer Dr. Herbert Gruhl und Jasper van Oertzen als elementaren Leittspruch für eine von Verlockungen und Bedarfsweckung gesättigte Welt (siehe aktuell: Automesse, Spielemesse, IT-Messe ..) geprägt haben. Hier finden wir nämlich auch einen glücklichen Umstand: Unter harter Konfrontation der Bündnis"grünen" mit dem Etikett "Wohlfühlpartei" (der SPIEGEL vor einem Jahr; sogar bei FAZ.NET habe ich es schon gelesen) kann die ÖDP als die "eigentlich" grüne Kraft im Land, als "urgrün" gleichsam, im Disput ganz entscheidend punkten!

Auch historisch ist die Funktion eines KORREKTIVs für die "Grünen" der ÖDP eigentlich auf den Leib geschrieben: hat Dr. Gruhl doch einst ursprünglich die "Grünen" mitbegründet (1980). Er (und andere) standen auch zu dem, was Bernhard Suttner dankenswerterweise als FAMILIENWERTE hervorgehoben hat - vergleichen wir aktuell dazu das als vorbildlich präsentierte Verhalten, das eine CDU-Bundesministerin, "Familienministerin" Kristina Schröder, gerade gezeigt hat: ganze 14 Wochen sollen reichen für eine "Familien-Auszeit" mit Neugeborenem .. welches jetzt vorwiegend wohl von Großeltern und Personal geprägt wird. Wie lange das Kind gern gestillt würde, zum Beispiel, ist hier - vorbildhaft! - kein Thema. Pointiert könnte man die Frage stellen: lernen Kinder unter der ausufernden Fremdbetreuung eigentlich noch Muttersprache - oder aber die (versachlichte) Sprache eines anonymen Pflegepersonals? Und das geht auch die Gesellschaft an: die Entwicklung des kindlichen Gemüts - während vielerorts nämlich Verrohung im Umgang miteinander beklagt wird, die Gewaltbereitschaft steigt, wäre neben aller vielbeschworenen (sachlichen) Bildung die "Herzensbildung" hoch an der Zeit!

Dazu benötigt die Gesellschaft dringend intakte Familien. Ich selber bin froh, meine Mutter heute noch zu Dingen aus meiner Kindheit befragen zu können: denn SIE hat sie mit mir erlebt! Und einen Umstand sehe ich außerdem, welcher bei aller Schönrednerei von Patchworkfamilien, von "work-life balance" und "gender mainstreaming" immer unter den Tisch fällt. Es handelt sich um die wichtige Frage, von wem die immer älter werdenden Alten dereinst betreut werden sollen: ebenfalls nur von anonymem, stetig mehr gestreßtem Pflegepersonal (das uns heute schon fehlt, weil in unserer mißgeleiteten Gesellschaft unter falschen Leitbildern nur die technokratischen Berufsbilder zählen)? Ich sehe hier einen gewaltigen Pflegenotstand heraufziehen, denn die Jungen - ihre Erzeuger haben sie nur noch abends berufsgestreßt erleben dürfen, tiefe emotionale Bindungen entstanden dabei nicht - werden ihren Eltern dann entgegnen: WIR euch pflegen? Aber ihr habt uns doch auch fortgegeben ..

Eigenartigerweise habe ich von dieser meiner Befürchtung nur in einem Buch einer LINKEN gelesen: von Christa Müller (Gattin Oskar Lafontaines): "Dein Kind will Dich"! Höchste Zeit deshalb, auch in unseren Reihen solche Gegenwehr zu bündeln. Zu einer wichtigen Aktion der ÖDP-Aktiven hat dazu ja gerade Dr. Claudius Moseler eingeladen: dem öffentlichen Eintreten fürs Betreuungsgeld.

Machen wir uns zahlreich dafür stark, auch eingedenk des Obengesagten! Und hoffen wir, daß uns Bernhard Suttner noch lange mit seiner Erfahrung und argumentativen Stärke beistehen kann! Seinem Nachfolger im Amt wünsche ich eine gleichfalls glückliche Hand.

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