30.09.2011
Schulden
der ganz anderen Art machen wir seit Mitte dieser Woche.
Diese Schulden sind nicht finanzieller Art, aber sie wiegen viel schwerer. Das Global Footprint Network hat errechnet, dass unser Kredit bei der Erde für dieses Jahr aufgebraucht ist. Weltweit lebt die Menschheit seit Mittwoch auf Pump. Es wird mehr verbraucht als nachwachsen kann, es wird mehr verschmutzt als die Natur regenerieren kann. Dieser Tag hat einen Namen: ökologischer Welterschöpfungstag, Global Overshoot Day. Und hätten wir nicht die sogenannten Entwicklungsländer in der Bilanz, die Industriestaaten alleine hätten ihn schon Mitte des Jahres erreicht. Während sich unsere Regierung verzweifelt überlegt wie unser Wachstum gesichert werden kann, und die Grünen darüber nachdenken, wie man es schön grün anmalen kann, sollten wir uns überlegen, wie eine Gesellschaft nach dem Wachstum aussehen kann. Beschränkung für einige, dafür Leben für alle. Denn im Augenblick verprassen wir das Kapital der Erde, anstatt mit den Zinsen glücklich zu leben.


Vorhandene Kommentare
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Der Verbrauch von Ressourcen (= Footprint) und das Angebot an natürlichen Ressourcen (= Biokapazität) werden in so genannten "global Hektar" (gha) gemessen. Ein "Global Hektar" entspricht einem Hektar weltweit durchschnittlicher biologischer Produktivität.
Fleisch, Gemüse, Wasser, Holz, Getreide oder Agrardiesel, alles braucht einen Teil der Erdoberfläche, um entstehen zu können. Genauso wie Müll und Abgase von Kraftwerken, Flug- und Autoreisen Naturkapazitäten benötigen, um wieder unschädlich gemacht zu werden.
Fläche gehört zu den begrenzten Ressourcen auf dem Planeten. Die Erde wird nicht wachsen wird. Teilt man die vorhandene und auch nutzbare Fläche unserer Erde auf alle heute lebenden Menschen auf, dann entfallen auf jeden Menschen etwa 1,8 Hektar.
Der ökologische Fußabdruck eines durchschnittlichen Deutschen beträgt 5,1 gha. Ein US-Amerikaner benötigt 9,6 gha pro Kopf, ein Chinese 1,6 gha und ein Inder 0,8 hga.
Für uns Deutsche heißt das: Mit einem Footprint von 5,1 gha leben wir deutlich über unsere Verhältnisse. Es bräuchte drei Planeten Erde, um alle Menschen mit einem Naturverbrauch wie unserem überleben zu lassen.
Hallo Frau Becker,
danke für Ihre Erläuterungen. Jetzt wird es verständlicher.
Um nicht den Eindruck zu erwecken, dass ich kein Problem bei dem jetzigen Lebensstil und Wirtschaften erkennen würde, frage ich lieber nicht weiter nach, wie "Was verstehen Sie dann unter Zinsen?" oder "Wie berechnet Global Footprint Network einen gha bezogen auf Wasser, Agrardiesel usw. pro Land in Anbetracht, dass es einen Welthandel gibt und wenn Deutschland z.B. 50% exportiert, werden diese 50% dann auch abgezogen und anderen belastet etc.?"
Es geht mir nicht darum das Problem klein zu reden, aber ich frage mich, was es dem einzelnen Bürger nützt, außer, dass er wohl ein schlechtes Gewissen haben soll? Und ich mich dann umschaue in diesem Land und sehe, dass wahrscheinlich gefühlte 30% der Bevölkerung 4 gha wahrscheinlich benötigen und 70% die restlichen 1,1 gha, um bei Ihrem Rechenbeispiel zu bleiben. Wo ist der Lösungsansatz bezogen auf die durchschnittliche Verhaltensweise des Menschen (Deutschen)? Das wäre viel interessanter... aber mir ist auch klar, dass dies hier nicht der richtige Ort ist, um das auszuführen.... :-)
Ich frage mich wie Global Footprint Network das errechnet hat? Wirtschaftwissenschaftler schaffen es nicht einmal ein BIP eines Landes genau zu berechnen, aber die von Global Footprint Network schaffen es, soetwas für die ganze Welt zu berechnen!?!?
Trotzdem stimme ich zu, dass es hier ein Problem gibt. V.a. der Begriff des "Wachstums" ist definitiv infrage zu stellen. Auch wenn das Universum unendlich ist, gibt es auf der Erde für den Menschen Grenzen. Für manche scheint es aber nur der Tod nach dem Leben zu sein, und selbst der wird durch den Glauben kurzerhand zur Unendlichkeit gemacht...