11.02.2011
Reden und Handeln
Reinhard Retzer
klaffen bei der Staatsregierung, wie gehabt, weit auseinander. Bestes Beispiel ist der neue Entwurf des Schulfinanzierungsgesetzes, mit dem nicht nur der Fortbestand der einzigen Montessori-Schule in Lohkirchen im Flächenlandkreis Mühldorf (Obb) in Gefahr gerät. Im Rahmen des neuen Entwurfes werden alle privaten Volksschulen über einen Kamm geschert und müssen sich über eine einheitliche Schülerpauschale finanzieren. Unberücksichtigt bleiben dabei die weit höheren Schülertransportkosten, die für eine Schule auf dem Land geschultert werden müssen. Wieder einmal droht der ländliche Raum in Gestalt dieser kleinen alternativen Schule mit einem Einzugsradius von 45 Kilometern auf der Strecke zu bleiben, sofern nicht die Eltern der 160 Schüler mit einem massiv erhöhten Schulgeld in die Bresche springen. Die in Sonntagsreden und bei Vereinsjubiläen gern bemühte Floskel von der „Ent-wicklung“ des ländlichen Raumes entpuppt sich „in der Tat“ als „Ab-wicklung“ des ländlichen Raumes und das allseits propagierte Spar-Tabu bei Familie und Bildung als hohle Phrase.

Vorhandene Kommentare
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Hier zeigt sich mal wieder die Doppelzüngigkeit und Verlogenheit von politischen Entscheidungsprozessen. Mit echten Werten hat das nur noch wenig zu tun. Hauptsache die Frisur sitzt perfekt und das Jacket passt. In der deutschen Politik geht es seit Jahrzehnten nur noch um eine gute Figur, einen persönlichen Vorteil und Wahlen, die mit denjenigen Bürgern zu gewinnen sind, die überhaupt zur Wahl noch hingehen wollen. Mit Allgemeinsinn und Verantwortung für eine funktionierende Gesellschaft hat das schon lange nichts mehr zu tun.