29.04.2011

BGH auf Mainstream-Kurs

Der Bundesgerichtshof folgt dem „Mainstream“: Eltern gehören an einen außerhäuslichen Arbeitsplatz und Kinder in die Kita! Ein aktuelles Urteil zum Unterhaltsrecht geht in diese Richtung, weil es ein Grundschulkind bis 17.00 Uhr in den Hort schickt, damit die geschiedene Mutter  in Vollzeit arbeiten kann und der unterhaltspflichtige Vater entlastet wird. Ich habe Zweifel, ob hier wirklich dem Grundgesetzartikel 6 (Erziehungsrecht und Erziehungspflicht der Eltern) Genüge getan wurde – aber das mögen Juristen anders sehen. Wenn schon die Familie mehr und mehr abgewertet wird, dann muss endlich die Qualität der Familienersatz-Institutionen in den Fokus rücken: In Krippen und Horten herrscht oft genug ein Betreuungsstandard nach Haushaltslage und nicht nach pädagogischem Erfordernis. Ob das den Kindern, den Eltern und der ganzen Gesellschaft gut tut? 

Kategorie: Familien, Bildung

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Kommentare (4)Kommentieren

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Seite 1

Rene schrieb am 30.04.2011 20:21 answer

Zu Ulrich Hoffmann und den Kommentaren allgemein:

Die Frage stellt sich immer und in jeder Lebenslage für Eltern:
Wo, wie, wer betreut/erzieht/lehrt meine Kinder und wie wird das finanziert? Auch verheiratete Paare kümmern sich nicht unbedingt automatisch um ihre Kinder selbst, wenn die Mutter auch wieder ins Berufsleben will (siehe allein diejenigen, die es sich eigentlich leisten könnten; die haben oft x-Kindermädchen). Daher sollte ein echtes "Kinder-Konzept" erarbeitet werden, meiner Meinung nach. Der Staat muss allgemeine Rahmenbedingungen setzen und mehr indirekt unterstützend tätig sein und keine neuen "Anreizsysteme" schaffen. In der jetzigen Politik wird jeden Monat eine neue Sau durchs Dorf gejagt, anstatt dass man sich grundlegende Überlegungen macht, wie die Mehrheit der Bevölkerung (dazu gehören eben auch alle Kinder jeden Alters) gut leben kann und will? Dies würde aber eine komplette Überarbeitung eines Staatsverständnisses bedeuten und würde nicht nur die Schule, den Kindergarten oder Hort betreffen. Denn es gibt keine perfekten Eltern, genauso wenig wie es die perfekte Erziehung gibt. Und das betrifft z.B. die Schule genauso wie das Elternhaus. Die Frage stellt sich doch vielmehr: Wie wollen wir alle gemeinsam in diesem Land zukünftig miteinander leben und auskommen? Welche Werte legen wir dafür zugrunde? usw.

Helga Filz schrieb am 30.04.2011 09:38 answer

Guten Tag Herr Kirschspieper!

Grundsätzlich stimme ich ja Ihnen zu, aber seit Anfang 2008 gilt ein neues Unterhaltsrecht, denn auch wer nach altem Recht geheiratet hat, wird nach neuem Recht geschieden. Nach dem neuen Unterhaltsrecht steht der Mutter ein Unterhaltsanspruch im Scheidungsfall nur so lange sicher zu, bis das jüngste Kind drei Jahre alt ist. Danach muss sie für ihre Kinder jede zumutbare Betreuungsmöglichkeit annehmen, damit sie wieder arbeiten gehen kann. Die Kinder brauchen aber auch nach dem dritten Lebensjahr den Vater oder die Mutter. Natürlich gibt es auch individuell unterschiedliche Unterhaltsfälle, aber nur wenn vorher kräftig schmutzige Wäsche gewaschen wird, und gerade das schadet den Kindern am meisten.

Wer für seine Ehe die klassische Rollenverteilung gewählt hat, sollte sich aber auch Gedanken über einen Ehevertrag machen um Schlammschlachten vor Gericht zu vermeiden: Denn wer jahrelang aus dem Beruf aussteigt, verzichtet nicht nur in dieser Zeit auf ein eigenes Einkommen, sondern verursacht auch für die Zukunft, wenn die Kinder schon längst aus dem Haus sind, Einkommensverluste. Nach wie vor die die Frau die Dumme, nur das ist es was mich ärgert. Es gibt nicht nur „Einmal Arztfrau immer Arztfrau“. Es gibt viele gut ausgebildete Frauen, die wegen der Kinder auf eine eigene Karriere verzichtet haben, auch um dem Mann den Rücken freizuhalten, dafür wird sie dann nach einer Trennung bestraft.

Kinder sind immer die Leidtragenden einer Trennung, inzwischen versuchen auch viele Männer (auch Frauen) das alleinige Sorgerecht für Ihre Kinder zu erstreiten. Gott sei Dank ist das nicht so leicht möglich, denn die Kinder lieben ja beide Eltern.

Der Grundgedanke der ÖDP, den Müttern oder Vätern ein Erziehungsgehalt zu zahlen, hilft den Frauen nicht unbedingt weiter. Das Thema ist schwierig und auch zu komplex um da gerade mal ein paar Zeilen zu schreiben.

 

Fazit: Das Wohl der Kinder sollte natürlich immer im Vordergrund stehen.

Viele Grüsse aus Prien am Chiemsee

Daniel Kirschsieper schrieb am 29.04.2011 22:45 answer

Grundgesetzartikel hin oder her. Die Familie in der Gesellschaft verliert leider seit Jahren an Bedeutung. Dass dies ein Trend in die völlig falsche Richtung ist scheint offenbar viele nicht zu stören bzw. ihnen nicht bewusst zu sein. Klar, wir sind nicht mehr im 18. oder 19. Jahrhundert und niemand verlangt, dass die Mütter sich weiterhin nur um Kinder und Haushalt kümmern. Aber für die Entwicklung der Kinder ist doch die Nähe zu den Eltern und das gemeinsame Erleben und Leben unabdingbar. Gefragt sind deshalb auch die Väter, die bei dieser Diskussion gerne aussen vor gelassen werden. Auch ihre traditionelle Rolle hat sich geändert und muss sich weiter ändern, sonst kann sich auch die Rolle der Frau nicht ändern! Auf keinen Fall dürfen die Kinder die Leidtragenden sein. Sie sind schliesslich die Grundpfeiler unserer zukünftigen Gesellschaft. Kitas und andere derartige Einrichtungen sind sicher sinnvoll und sollen auch genutzt werden. Sind können und dürfen aber nicht die Eltern ersetzen! Solche Institutionen werden nie die Qualität des Elternhauses erreichen, egal wie die Haushaltslage ist und wieviele pädagogische Kräfte eingesetzt werden.

Von dem genannten Urteil habe ich bisher nichts gehört und kann es ehrlich gesagt kaum glauben. Die Kinder sind doch bei Trennungen immer die Leidtragenden und bedürfen besonderer Betreuung durch den - faktisch - verbliebenen Elternteil. Dass solche Kinder jetzt auch noch in Kitas o. ä. abgeschoben werden sollen nur damit jemand seiner Unterhaltspflicht nicht vollständig nachkommen muss, dann finde ich das wirklich unglaublich. Quo vadis, Deutschland?

Helga Filz schrieb am 29.04.2011 17:02 answer

Die Kitas grundsätzlich zu verteufeln, halte ich für falsch, denn damit jagt man den allein erziehenden Müttern und Vätern oder den Müttern, die dazu verdienen müssen ein schlechtes Gewissen ein. So wie in alten Zeiten, dass die Frau an den Herd und zum Kind gehöre, ist doch auch überholt.. Das neue Unterhaltsgesetz hat doch dazu geführt, dass eine geschiedene Mutter wieder schnell ins Berufsleben muss, damit sie wieder selbständig wird. Was die Kinderbetreuung betrifft, sind wir doch in Deutschland unteres Mittelfeld.

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