14.10.2011

Anerkennung für Eltern?

Anerkennung für das, was Eltern in der Erziehung und Bildung ihrer Kinder leisten - damit tun sich die Politiker von schwarz-gelb bis rot-rot-grün und die Piraten sowieso sehr schwer. Da wird dann lieber diffamiert - „Herdprämie“ -, statt seriös argumentiert. Nun hat soeben die Bundesdelegiertenversammlung des Familienbundes der Katholiken einen Antrag verabschiedet, in dem eine Anschlussleistung an das Elterngeld für das zweite und dritte Lebensjahr des Kindes  in Höhe von mindestens 300 Euro im Monat gefordert wird. Auch setzten sich die Delegierten in einer Resolution dafür ein, die Anrechnung des Elterngeldes auf Leistungen nach den Sozialgesetzbüchern II und XII aufzuheben. Ziel müsse sein, die Erziehungsleistung der Eltern anzuerkennen. Das ist gut so und geht in die richtige Richtung, ist allerdings nur ein Zwischenschritt. Letztlich muss es darum gehen, die eklatante Gerechtigkeitslücke im Generationenvertrag zu schließen, und zwar durch ein sozialversicherungspflichtiges Familiengehalt, dass die Leistungen der Familie in Erziehung, Bildung und Pflege für das gesamte Gemeinwesen angemessen honoriert. Dann könnten auch die ideologieverseuchten familienpolitschen Debatten ebenso ein Ende finden, wie die Planwirtschaft im Bereich der staatlich verordneten Kleinkinder-Betreuung.

Kategorie: Familien, Bildung

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Vorhandene Kommentare

Seite 1

Reinhard schrieb am 20.10.2011 12:26 answer

Hallo René,

ich möchte niemanden verändern und vorschreiben wie seine Kinder erziehen soll. Aber durch politische Rahmensetzung sind aktuell einfach die die "Ausgschmierten", die auf finanzielle und gesellschaftliche Anerkennung verzichten und ihre Kleinkinder selbst erziehen. Ulrich Hoffmann bingt´s auf den Punkt.

"Letztlich muss es darum gehen, die eklatante Gerechtigkeitslücke im Generationenvertrag zu schließen, und zwar durch ein sozialversicherungspflichtiges Familiengehalt, dass die Leistungen der Familie in Erziehung, Bildung und Pflege für das gesamte Gemeinwesen angemessen honoriert. Dann könnten auch die ideologieverseuchten familienpolitschen Debatten ebenso ein Ende finden, wie die Planwirtschaft im Bereich der staatlich verordneten Kleinkinder-Betreuung."

Reinhard schrieb am 15.10.2011 23:45 answer

Hallo René,

zu a) - weil ohne auch die anderen keine Zukunft haben. Nur Kinder gewähren den Fortbestand der Gesellschaft. Alle profitieren davon, auch die, die - aus welchen Gründen auch immer - keine Kinder haben!

zu b) Sicher sagt die finanzielle Ausstattung nichts über deren Werte und deren Verhalten aus. Wenn jedoch die Ausstattung unzureichend ist, dann kann ich von den Eltern keine Wertevermittlung verlangen, weil sie dazu gezwungen werden, viorwiegend den "Geldwerten" nachzugehen, um die Familie über Wasser zu halten.

zu c) Sicher, das ist richtig. Doch wenn ich einseitig die öffentliche Betreuung fördere, dann müssen intakte Familien und deren Leistung das Maß sein, an dem sich die öffentliche Betreuung orientieren muss.

zu d) Das Erziehungsgehalt geht dann auf die Person oder auch öffentliche Institution zurück, der die Betreuung übertragen wird.

zu e) Armut ist die Ursache für die hohe Kinderzahl, wegen fehlender sozialer Absicherung. Nicht die hohe Kinderzahl ist die Ursache für die wirtschaftlichen Defizite! Die sinkende Kinderzahl bei uns bedingt einen demgraphischen Wandel, der die sozialen Systeme ins Wanken bringt. Die, lieber René erwirbst mit deinem Einkommen und den damit verbundenen Rentenbeiträgen zu Recht einen Anspruch auf Versorgung im Alter. Nur, wenn keine Kinder geboren würden, hätten wir alle keine Versorgung im Alter. Und wenn das Geld da wäre, um uns im Alter zu versorgen: Wir bräuchten "Personal", das sich um uns kümmert.

Dieses Thema ist ein Kernthema der ÖDP. Ich danke dir, dass du uns durch deine Kommentare immer neu forderst, unsere Argumentation zu schärfen!

#3 Antwort von: Rene schrieb am 16.10.2011 19:12 answer

Hallo Reinhard,

wie du weisst geht es mir auch um die Familien, mir geht es aber auch um Realitäten. Einen Großteil der Menschen kann und wird man nicht ändern können bzw. auf kurze Sicht gesehen.

Daher die Frage, wie ich ein "System" schaffen kann, dass soweit wie möglich das GANZE Leben der Menschen in seinen verschiedenen Facetten auf einfache Art und Weise unter einen Hut bringen kann. Definitiv keine leichte Aufgaben und möchte nicht behaupten, dass ich dazu den kompletten Masterplan in der Schublade habe.

Zu deinen Ausführungen, die ich im Grunde ja befürworte, kurze Anmerkungen:

Zu a) ...im Kern gebe ich dir Recht, aber wie sieht die Realtität aus? Andere "Kinder" aus anderen Nationen ziehen zu uns und warum? Weil wir (noch) wirtschaftlich interessant für sie sind. Ansonsten käm keiner, im Gegenteil, dann gingen die vielen Kinder von Deutschland weg, um Arbeit woanders zu suchen. Da bringt auch eine Kinderquote von 3 oder 4 keine Besserung.

Zu b)...im Kern gebe ich dir Recht, aber warum will man das Pferd von hinten aufzäumen? Sprich, warum frage ich nicht wie es dazu kommt, dass Menschen (Familien) grundsätzlich in eine Lage kommen, nicht von ihrer Händearbeit vernünftig leben zu können und Arbeit und Familie für beide Seiten überwiegend zufriedenstellenden in Einklang zu bringen?

Zu c)...auch für mich selbstverständlich.

Zu d)...das klingt jetzt sehr einfach, aber ich sage nur, man muss bedenken, dass viele Scheidungen nicht "glatt" laufen und auch ohne Betreuungsgeld Kinder immer gerne als eine Art "Trumpf" gesehen werden. Das Betreuungsgeld könnte sich zu einem weiteren Kriterium in solchen Fällen entwickeln, sich vor Gericht um das Sorgerecht zu streiten.

Zu e)...ich wollte mit meinem Argument nicht behaupten, dass Kinder schuld am hohen Defizit dieser Länder sind. Und ja, der demographische Wandel bringt die Sozialsysteme ins Wanken. Komisch aber, dass man sich nicht fragt, ob es nicht auch ein Sozialsystem gäbe, das einen demographischen Wandel nicht zu befürchten hätte? Hierzu ein kleiner Denkanreger: Das deutsche Sozialsystem kann auch ohne negativen demographischen Wandel ins Wanken geraten, wenn nämlich immer mehr deutsche von einer Selbständigkeit leben würden, egal wie die Alterspyramide aussieht! Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass Armut bzw. eine fehlende soziale Absicherung allein keine Kinder automatisch in Massen hervorbringt, wobei das im Kern zum überwiegenden Teil natürlich stimmt. Aber auch in Deutschland werden in der Unterschicht mehr Kinder gezeugt als in der Oberschicht, weswegen man auch auf die perverse Idee des Erziehungsgehalts nach Einkommen gekommen ist. Fehlt der Unterschicht in Deutschland eine soziale Absicherung? Nein.

In diesem Sinne verstehe ich den Ansatz der ödp, und unterstütze ihn auch, dass Familien eine sehr wichtige Kernaufgabe der ganzen Gesellschaft übernehmen und es nicht sein kann, dass sie finanziell im jetzigen System die "A"-Karte dafür auch noch bekommen. Diese Diskussion aber ohne mit den Blick auf unsere Realwirtschaft, die menschliche Natur und das Zusammenleben zu führen, finde ich nicht gut. Und nur das wollte ich mit meinen Argumenten anstoßen, dass man es sich zu leicht machen würde mit einer Art staatlichen (Teil-)Alimentierung der Eltern.:-)

Rene schrieb am 15.10.2011 11:31 answer

Ich habe zu diesem Thema schon genug mit dem Verfasser des diesbezüglichen ödp-Papiers diskutiert. Deshalb hier nur noch kurz ein paar Infos zum Nachdenken:

- Familie wird primär privat gesehen, die wirtschaftliche Ausstattung soll aber von allen kommen

- Die finanzielle Ausstattung einer Familie sagt NICHTS über deren Werte und Verhalten aus

- Die finanzielle Ausstattung einer Familie sagt NICHTS über deren Erziehungsqualität aus

- Wie wird ein Erziehungsgehalt bei geschiedenen Erziehungsberechtigten gelöst, die sich am liebsten an die Gurgel gehen würden?

- Die Anzahl an Kindern einer Nation sagt NICHTS in unserem Wirtschaftssystem aus über den wirtschaftlichen Reichtum (das Märchen von angeblich zu wenig Kindern, um Wohlstand zu generieren, denn dann müssten Afrika, Indien und Co. die wirtschaftlich am reichsten und erfolgreichsten sein, was sie aber bekanntlich nicht sind)

- Wie wird verhindert, dass Erziehungspaare dadurch Kinder nicht als "Einkommensquelle" sehen?

- usw.

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